Samtgemeinde Landesbergen
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Marlies Winkler (EKD) plädiert auf dem Kirchenkreistag Stolzenau-Loccum für verstärkte kirchliche Sozialarbeit
Warmsen (ad) „Wir müssen das christliche Menschenbild unter die Füße kriegen’ – mit diesen markigen Worten betonte die Gastreferentin beim Kirchenkreistag am (verg.) Mittwoch, den 9. Juni, Marlies Winkler, die Bedeutung von verstärkter sozialdiakonischer Arbeit der evangelischen Kirche.
Die Referentin, die beim Sozialwissenschaftlichen Institut (SI) der EKD in Hannover angestellt ist, war bereits im vergangenen Jahr mit dem Langzeitprojekt ‚Armut auf dem Lande befasst', bei dem in einer Langzeitstudie in mehrere niedersächsischen Kirchenkreise (Emden, Land Hadeln, Lüchow-Dannenberg, Stolzenau-Loccum) unter die Lupe genommen worden waren. Dabei wurden nicht nur intensive Gespräche mit institutionell mit den Problemen armer Menschen befassten Personen geführt (Leiter von Sozialämtern, Argen, Pfarrer), sondern die Betroffenen wurden selbst interviewt und dabei nach den Sonderproblemen der Armut auf dem Lande gefragt. In diesem Zusammenhang war sie auch bereits auf einer Pfarrkonferenz im Kirchenkreis zu Gast gewesen.
Winkler markierte in ihrem Vortrag mehrere Problemkreise, die sich teilweise überlagern: die beschleunigten Veränderungen in der Landwirtschaft und der Struktur der Familienbetriebe, der demographischer Wandel gerade in strukturschwachen Gebieten, die Bildungsferne von Schichten, Kinderarmut sowie das Hilfsangebot der Tafeln. Das Kernproblem von Armut auf dem Lande besteht ihrer Auffassung nach in der deutlich stärkeren Scham armutsbetroffener Menschen, sich offen zu ihrer Situation zu bekennen, da durch die soziale Kontrolle häufig keine unbemerkte Inanspruchnahme von Sozialleistungen möglich sei. Diese unberechtigte Scham (denn Armut könne sehr schnell sehr viele Menschen schuldlos treffen) gelte es zu durchbrechen, damit in einem offenen Gesprächsklima Hilfe auch vermehrt angenommen werden könne. Nicht selten würden Betroffene auch eine längere Leidensgeschichte erlebter Demütigungen in ihrer Biographie aufweisen. Winkler plädierte nachhaltig dafür, bei Hilfsprojekten zugunsten Armer niemanden zu beschämen, die Betroffenen von Hilfsempfängern zu Beteiligten des helfenden Geschehens zu machen und auch auf ihre durchaus vorhandenen Kompetenzen anzusprechen. Die Kirchengemeinden sollten sich dabei v. a. für armutsbetroffene Kinder einsetzen und die Mobilitätsprobleme der Betroffenen mitbedenken. - In einem Redebeitrag wurde sodann noch auf die Sonderproblematik durchreisender Menschen abgestellt, für die Kirche sich nach wie vor in hohem Maße engagiere. Nach der Aussprache wurde der Kirchenkreistag, der ganz im Zeichen der Visitation durch Landessuperintendetin Dr. Ingrid Spieckermann (Hannover) stand, mit dem Ephoralbericht der Superintendentin fortgesetzt, in dem sie schwerpunktmäßig auf das Jahresthema ‚Gottesdienst verbindet' abstellte sowie das Sportfest ‚Brot für die Welt sportiv' im September in Stolzenau vorstellte.
Die Landessuperintendentin, die erstmals die Visitation durchführt, denn der Kirchenkreis gehört erst seit 2007 zum Sprengel Hannover, gab einen kurzen Zwischenbericht von der Visitation und stellte fest, dass sie von der Vielfalt kirchlicher Angebote im Kirchenkreis positiv überrascht sei. Mit den Berichten aus den Ausschüssen im Kirchenkreis (Finanzen, Bau, Diakonie, Brot für die Welt, Partnerschaft) wurde der Kirchenkreistag vervollständigt. Zum Beschluss gab die neue Synodale, Frau Brümmer (Steyerberg) einen kurzen Eindruck von der gerade zu Ende gegangenen Synodaltagung.
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